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Rückfall/Misserfolg :


David (25 Jahre) - Nationalität Deutsch
"Ich rauche, seit ich 14 Jahre alt bin. Als ich und meine Zwillingsschwester 6 Jahre alt waren, sassen wir vor dem Bett unseres todkranken Vaters, der drohte zu sterben wegen der Raucherei. Er hat aufgehört und lebt heute noch (wenn auch mit den Folgen der Raucherei). Meine Schwester und ich hatten uns damals geschworen, nie mit dem Rauchen anzufangen, aber wir rauchen beide. Das Schlimme für mich ist gar nicht in erster Linie, dass ich schwach bin und wenig Luft habe. Das Schlimme ist, dass sich mein Charakter durch das Rauchen geändert hat. SUCHT UND KRANKHEIT VERAENDERT DEN CHARAKTER! Ehrlich wenn ich daran denke, wie der erste Zug an einer Zigarette war, graust es mir. Es schmeckt widerlich und man möchte sich übergeben ... und trotzdem zog ich und ertrug es, bis es mir nichts mehr ausmachte ... und ich fühlte mich stark, weil ich sah, dass es mir nichts ausmachte. Aber heute, nach 11 Jahren Raucherei, hat es Folgen, Spuren und Narben hinterlassen. Ich bin dünn, habe eingefallene Wangen, kann keine 100 Meter joggen, ohne das mir schwindlig wird und kann mich nicht konzentrieren, wenn ich 1 Stunde keine Zigarette rauchen kann. Mein 3 Jahre alter Sohn kommt zu mir und zeigt mir, wie er den Mittelfinger über den Zeigefinger kreuzt und fragt : "Papa kannst du das?" Ich tue es und bemerke, ich kann es. Und mir fällt auf, dass ich so nicht rauchen könnte (so kann man keine Zigarette halten). Er ist 3 und er hat scheinbar versucht, mir zu helfen, weil er wahrnimmt, dass es mir schadet oder warum auch immer. Man verliert den gesunden Menschenverstand. Man weiss, dass man sich schadet und doch tut man es, weil man nicht verzichten will auf diese "Gewohnheit". Ich habe in den Jahren der Raucherei nichts gewonnen. Ich habe nichts damit erreicht, weder für mich noch für andere. Ich profitiere nicht davon. Das Einzige, was man tut, ist das unbegründete Verlangen nach der gewohnten Dröhnung zu stillen. After all: Wenn ich heute todkrank im Bett läge und mein kleiner Sohn davor sitzen und weinen würde, weil er begreift was los ist und mich bitten würde: "Papa, lass das Rauchen doch.", würde es mir das Herz brechen. Also warum so lange warten, bis man einen Grund hat, aufzuhören? Warum warten, bis mir ein Fuss abgenommen wird? Warum so lange warten bis mir ein Luftröhrenschnitt gemacht wird? Warum so lange weitermachen, bis etwas passiert? Ich habe Leute vor dem Haupteingang der Krebsklinik gesehen, die nur ein Bein hatten, im Rollstuhl sassen und fleissig an Zigaretten zogen. Warum soll ich es mit mir soweit kommen lassen? Wir merken immer erst, was wir hatten, wenn wir es verloren haben. Ich habe manchmal kein Gefühl im grossen rechten Zeh. Manchmal habe ich keins im linken kleinen Zeh. Ich weiss, es kommt vom Rauchen. Ich betrachte meine Lebenszukunft mit Vernunft. Und ich weiss, wenn ich 5 Jahre weiter, rauche wird nichts besser. Aber wenn ich 5 Jahre nicht rauche, wird sich alles verbessern. Und wenn ich alles sage, meine ich alles! Ich habe gelesen, dass in einer Zigarette 600 Zusatzstoffe sind. Ich habe gelesen, dass die Zigarettenindustrie bewusst "Kinderpackungen" produziert. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Sohn in der Lage ist, mit seinem ersten Taschengeld heimlich zu einem Zigarettenautomaten zu gehen, gruselt es mir gewaltig. Wenn man daran denkt, was man zu verlieren hat, wenn man versucht auf die Zigarette zu verzichten, sollte man sich lieber vor Augen halten, was man gewinnt, wenn man nur die schwere Zeit übersteht und durchhält! Wir Raucher brauchen nur Geduld und Vernunft! Ich bin fest davon überzeugt, dass in jedem Raucher ein rebellischer Mensch steckt, der viel Gutes mit der Kraft, die er an die Zigaretten verschwendet, bewirken könnte. Ich weiss noch nicht, wie ich es schaffen werde, aufzuhören. Aber bevor ich wieder an einer Zigarette ziehe, kaue ich auf den Fingernägeln, lutsche Lollies, esse, damit ich wieder was auf die Rippen kriege, laufe weg (ja ich werde lieber joggen gehen), im Bewusstsein dessen, wovor ich weglaufe, ziehe mir Handschuhe an... Vielleicht lasse ich mir beide Arme eingipsen. Es ist nur die erste Zeit. Wenn ich erst einmal einen Tag geschafft habe, weiss ich, ich kann auch einen zweiten und viele weitere Tage schaffen. Und dann ist alles gut! P.S.: Danke, dass es Hilfen wie diese hier gibt! Ich glaube, dass es mir sehr geholfen hat, hier schreiben zu können. Denn ernsthaft über diese Gedanken habe ich noch nicht mit Anderen gesprochen. Ich rauche grade meine letzte Zigarette und hoffe das mein Text vielleicht anderen helfen kann. Ich würde mich wirklich über Antworten freuen! Ich werde es schaffen und habe mir vorgenommen, Anderen zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn ich es erst einmal geschafft habe! Vielen Dank. Hochachtungsvoll, David Michael Lazarus "



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